Franken
2000 Jahre nach der Geburt des Herren, traf sich eine Gruppe von Exilfranken am oberbayerischen Unterlauf der Salzach in einem malerischen Städtchen namens Burghausen am 4. Tag im dritten Monat des Jahreskreises in geheimer Runde. Man hatte sich zusammengefunden, um zu überlegen, auf welche Weise man den bajuwarischen Mitbürgern, im Kreis derer man sich ansonsten sehr wohl fühlte, fränkisches Sprachgut, Brauchtum und vor allem fränkische Küche näher bringen könnte.
Wir wollten dadurch deutlich machen, welche Bereicherung die Ansiedlung von Franken in dieser Gegend mit sich gebracht hatte.
Das Gespräch kam dabei auch auf das historische Burgfest, welches – und das mussten wir neidlos anerkennen – schon damals ein bemerkenswertes Ereignis war. Als die anwesenden Familienältesten übereinstimmend feststellten, dass man angesichts der Atmosphäre bei diesem Fest gerne nicht nur Zuschauer sondern auch Mitwirkender sein wolle, war sie dann plötzlich geboren – die Idee einer fränkischen Gruppe innerhalb der Herzogstadt.
Mit Rücksicht auf unsere ländliche Herkunft und unsere Prägung als Naturvolk war auch schnell klar, dass unser Mitwirken keinen höfischen Charakter haben durfte, sondern eine Bauerngruppe genau der richtige Rahmen war, um Brauchtum, Gemütlichkeit und Kulinarisches auf ideale Weise zu verbinden.
Aus dieser ersten Idee ist nun mittlerweile ein stattliches Landvolk geworden, das insgesamt 26 Seelen umfasst. Seit vier Jahren also bereichern wir die diversen historischen Feste mit „frängisch´n Bier“, mit „g´scheide Bradwürscht“ und einem „Brod“, auf dessen Geschmack und Qualität die oberbayerische Seele bisweilen nur noch mit fassungslosem Staunen reagieren kann.
Gastlichkeit ist unser oberstes Prinzip, und so findet sich bei uns am Lagerfeuer, sofern man in historischem Gewand gekleidet ist, immer ein Platz und eine Stärkung. Kaum einer geht dann an unserem Frankenbeutel vorbei ohne ihn mit einem Dukaten zu füllen.
Unser Auskommen sichern wir durch den Verkauf diverser Ergebnisse unserer Handwerkskunst wie der begehrten handgezogenen Kerzen, geflochtener Rankhilfen und Weidenkörbe und Blumengestecke. Ein zusätzliches Einkommen sichern uns auch im Sinne unserer Altersvorsorge unsere Kinder, indem sie durch Gesang und Flötenspiel, durch verschiedenes Bastelwerk, durch Glücksspiel und nicht zuletzt durch nachdrückliche Bitte um Almosen auf den staubigen Wegen der Burg mithelfen, den Frankenbeutel gut zu füllen.
Wegen unserer notorischen guten Laune sind wir im Kreise der Herzogstadt mittlerweile trotz der niederen Herkunft gern gesehen und man begegnet uns mit Respekt, spätestens seit dem großen Bratwurschtfest in 2003, während dessen so manche(r) bei fränkischen Birnbrand die unschlagbare Trinkfestigkeit fränkischen Landvolkes eingestehen musste, um danach festzustellen, was ein Schnaps zuviel so alles anrichten kann.
Wir hoffen, dass man uns nachsieht, dass wir angesichts unseres kräftezehrenden und zeitintensiven landwirtschaftlichen Broterwerbes nicht bei all den rauschenden Festen dabei sein können, aber wenn wir mit von der Partie sind, dann wird man uns nie übersehen können.
Thomas Weber für die FRANKEN